… ein Versuch den unendlich großen Gott mit unserem endlichen Verstand fassbar zu machen.

Theologie ist in vielen Bereichen schlicht und einfach eine Ernüchterung. Über Theologie wird so viel gestritten und nur wenige trauen sich die Antwort einzugestehen, die ehrlicherweise fast immer gegeben werden muss: „So genau wissen wir das nicht, beide Seiten haben Argumente dafür und dagegen. Aber aus folgenden Gründen bin ich für Variante XY.“ Stattdessen wird versucht die eigene Lehre zu verteidigen, als wäre sie das unantastbare Wort Gottes selbst.

Dabei ist gerade das richtige Verständnis vom Wort Gottes so schwierig zu erlangen. Wie ist denn die Bibel zu verstehen? Verbal inspiriert, also wortwörtlich oder Gottes Willen wiedergebend in den Worten der Verfasser, die von Gott tolerierte Meinung des Verfassers, Gottes Wort enthaltend oder nur lehrreiche Geschichten? Welche Zeilen waren für damalige Zeitgenossen gedacht, was ist allgemeingültig? In wieweit lassen sich die Aussagen der Bibel auf die heutige Kultur übertragen, welche damaligen – uns möglicherweise gar nicht bekannten – Umstände müssten berücksichtigt werden? Unsere Offenbarung über Gott ist bruchstückhaft, das hat schon Paulus erkannt.

Um es in einem Bild auszudrücken: man kann Theologie vielleicht auch vergleichen mit der Projektion des Erdglobus auf eine ebene Fläche, etwa eine Seite in einem Atlas. Die Projektion bildet nie alle Eigenschaften des Originals ab. Irgendwo hinkt sie immer. Die Mercatorprojektion etwa, ist winkeltreu. Sie eignet sich gut zur Navigation auf See, man errechnet mit ihrer Hilfe einmal den Winkel, unter dem die Meridiane geschnitten werden müssen und kommt so mit Hilfe eines Kompass unter Beibehaltung der einmal eingeschlagenen Richtung sicher ans Ziel.

Für andere Zwecke ist diese Projektion aber gänzlich ungeeignet. So werden Längenverhältnisse völlig verzerrt, man kommt zwar ans Ziel, aber nicht auf dem kürzesten Weg, was sich bei weiten Strecken besonders bemerkbar macht. Auch die Flächen sind nicht maßstabsgetreu wiedergegeben, Europa und Nordamerika und erst recht die Polargebiete erscheinen viel zu groß im Vergleich zu Afrika. Kritiker werfen dieser Projektionsart ein eurozentrisches Weltbild vor und entwarfen die flächentreue Peters-Projektion, die aber ansonsten soweit ich weiß keine praktische Bedeutung hat. Die Flugnavigation erfordert wieder andere Projektionen (etwa die Lambertsche Schnittkegelprojektion).

So ist es auch mit den verschiedenen Theologien. Sie mögen sich widersprechen. Manche Theologie mag alle Widersprüche erklären, ist aber in der Praxis völlig untauglich. Andere Theologien sind in der Lage Leben zu verändern und Menschen zu außergewöhnlichen Taten zu motivieren, lassen aber wichtige essentielle Fragen offen. Es erscheint mir wichtig, zu erkennen, dass es keine ultimative, widerspruchsfreie Theologie gibt. Man kann sie nicht gegeneinander ausspielen. Je nach Situation erweist sich die eine als tauglich und die andere als unnütz. Jede lässt nur ein Stück von Gott erkennen.

Jetzt erkennen wir nur wenig, und auch unser prophetisches Reden offenbart nur wenig! Doch wenn am Ende das Vollkommene erscheint, wird das wenige aufhören. [...] Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel, dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt weiß, ist unvollständig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt. (Paulus von Tarsus um 55 n. Chr. in einem Brief an die Gemeinde in Korinth)

Um auf das Bild zurückzukommen: Solange wir in unserem irdischen Leben Theologie nur „2-dimensional“ wahrnehmen können, ist uns vollkommene Erkenntnis unmöglich. Erst danach kommt das „Vollkommene“, den Globus. Wir sehen Gott von Angesicht zu Angesicht. Und wir werden wohl über so manche irdische Theologie lachen.