Salz und Licht:
„Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“
Nun spricht Jesus seine Zuhörer direkt an: Er fordert sie auf, so zu leben, dass die Menschen ihre gute Werke sehen und sie zum Anlass nehmen, Gott zu verherrlichen. Ist heute nicht eigentlich das Gegenteil der Fall? Wenn man über den Glauben spricht, wird man doch recht schnell daran erinnert, dass die Kirche ihre Gegner im Mittelalter gnadenlos verfolgt hat. Dass die USA im Namen des Christentums Krieg führt und überhaupt die religiöse Rechte in Amerika. Und ist das bei uns in Europa heute besser? Vielleicht ein bisschen. Vielleicht haben die Christen hier zu wenig Macht um schlecht aufzufallen. Vielleicht haben wir einfach nur Glück, dass es die Außenwelt überhaupt nicht interessiert, wie sich die Konfessionen teilweise bekriegen. Wie böse Bücher und Leserbriefe gegeneinander geschrieben werden. Von den Ansprüchen Jesu sind wir jedoch weit entfernt.
Ich frage mich, ob das überhaupt möglich ist. Wie müsste denn mein Leben auffallen, damit die Menschen beim Anblick meines Lebens Gott preisen. Klar, ich bin „nett“, ich mach nichts böses, ich bring keinen um, ich klau nichts… Aber es gibt auch viele “Nichtchristen”, die ein durchaus gutes Leben führen. Ja gut, wir sind halt alle Sünder. Aber irgendwo muss doch ein Unterschied zu sehen sein. Steht nicht irgendwo in der Bibel, dass wer “in Christus ist, eine neue Schöpfung ist”? Interessanterweise sagt Jesus hier aber nicht, “ihr sollt nicht mehr sündigen”, sondern “tut gute Werke”.
Vielleicht ist es auch so: Wer Gutes tut, hat weniger Zeit zu sündigen? Also her mit den guten Werken…

3 comments
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Februar 9, 2008 um 7:12 Uhr nachmittags
Raphael
Shalom Senfkorn,
…
Ich versuche ernsthaft mich kurz zu fassen
“Ist heute nicht eigentlich das Gegenteil der Fall?”
- und so geht das ja schon seit über 2000 Jahren… Vielleicht ist der Grund, dass zwar viel (verkehrtes) im Namen Jesu, aber viel weniger im Geist Jesu getan wird und wurde.
“Also her mit den guten Werken…”
- die Werke werden mich aber auch nicht retten oder mir tatsächlich helfen, sondern sie sind lediglich das Resultat. Ich musste an Galater 5, 16 denken:
“Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.” und in diesem Sinne auch dein “Wer Gutes tut, hat weniger Zeit zu sündigen?”
- Vieles was nach außen hin als ‘gut’ erscheint ist doch von innen her meistens trotzdem viel mehr aus egoistischen und also nicht aufrichtig ‘guten’ Beweggründen. Es ist ‘nichts’ Gutes im Menschen und deswegen können wir wirklich ‘gutes’ nur von Gottes Geist empfangen und Ihn durch uns bewirken lassen. Seit heute morgen lässt es mich nicht mehr los, was Oswald Chambers geschrieben hat:
“’Empfangt den Heiligen Geist!’ - die Idee ist diejenige einer Invasion”
- Der Heilige Geist will in uns eindringen und uns füllen bis zum Überfließen. Die Frage ist wohl, ob wir Ihm unsere Tore öffnen und ihm gewähren, Stück für Stück in uns einzudringen, unser Herz und Denken in das Seine zu verändern, etc. Und wenn Er dann ‘überfließt’, bringt Er als Frucht Seiner Invasion auch nach außen hin übernatürliche Liebe, Frieden, Freude, etc. hervor.
“So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“
- Alles ‘Gute’ verherrlicht den Vater, weil es in dem Sinne ja nicht “unsere” Werke und “unser” Licht sind, sondern ER in uns!
konkrete Schlussfolgerung?
- nun, vielleicht einfach mal des öfteren an einen stillen Ort von den Wirren und Lügen der Welt zurückziehen, zur Ruhe kommen, auf das Wesentliche besinnen, Zeit mit Gott verbringen, Ihm erlauben, zu uns zu sprechen, auf Ihn hören, in der Stille auf Ihn warten, Seine Worte meditieren, in Ihm ’sein’ und ‘bleiben’ - und auf diese Weise Stück um Stück darin wachsen, aus und in diesem ‘vertrauten’ Ort Seiner Gegenwart zu ‘leben’ und dieses ‘Leben’ auch in unserem irdischen Umfeld zu ’scheinen’ und freizusetzen.
Immanuel! Gott mit uns!
Februar 16, 2008 um 2:33 Uhr nachmittags
senfkorn
Hallo Raphael, mal ein paar Fragen zu deinem Kommentar:
“Vieles was nach außen hin als ‘gut’ erscheint ist doch von innen her meistens trotzdem viel mehr aus egoistischen und also nicht aufrichtig ‘guten’ Beweggründen.”
- Was sind denn “aufrichtig gute” Beweggründe?
“Alles ‘Gute’ verherrlicht den Vater, weil es in dem Sinne ja nicht “unsere” Werke und “unser” Licht sind, sondern ER in uns!”
- Woran kann man das denn von außen unterscheiden?
Ich kann mit diesem typischen Paradigma “ich kann aus mir nichts gutes tun, sondern brauche veränderung durch den hlg geist” nicht viel anfangen. da denke ich immer, ich brauche gar nicht anfangen, was gutes zu tun, weil es ja fleischlich ist, und damit nichtig. aber vielleicht beginnt der hlg. geist ja auch erst dann zu wirken wenn wir selber mit dem tun anfangen. also dieses o.g. paradigma erklärt vielleicht die geistlichen zusammenhänge ganz gut, aber in der praxis wirkt es - zumindest hab ich bei mir den eindruck - eher hemmend.
Zumal ich eben auch bei einigen Nichtchristen gute Werke sehe, denen ich eben keinen egoismus darin unterstellen würde, sondern einfach handeln nach dem gewissen. Und lt. Bibel scheint es ja so zu sein, dass diejenigen, die nicht von gott wissen, beim gericht nach ihrem gewissen beurteilt werden.
Das mit dem meditieren ist ne gute idee, da hab ich ja noch ne menge”potenzial”.
April 23, 2008 um 9:36 Uhr nachmittags
Das Evangelium nach Matthäus #7: Die Bergpredigt (4) « Senfkorn
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