Nach dem der letzte Eintrag schon etwas zurückliegt, will ich diesmal wieder einen etwas größeren Abschnitt besprechen und mich diesmal nicht zu sehr in Details verstricken. Es geht darum, was es heißt “das Gesetz zu erfüllen” (Matthäus 5, 17-48).

Jesus leitet diesen Abschnitt ein mit Klarstellung, dass er nicht beabsichtigt, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen. Wobei sich hier auch erstmal die Frage stellt, was mit auflösen und erfüllen genau gemeint ist. Außerdem schockt er seine Hörer mit der Feststellung, dass niemand in das Reich der Himmel hineinkommt, wenn seine Gerechtigkeit nicht die der Pharisäer und Schriftgelehrten weit übertrifft. Dafür bringt er schließlich 4 praktische Beispiele, in denen Jesus das Gesetz verschärft (”Ihr habt gehört … ich aber sage euch“):

1. “Du sollst nicht töten!” - Jesus besteht darauf, dass nicht nur Töten, sondern auch Zorn und Verachtung gegen über seinem Bruder zum Gericht führt und fordert zur Versöhnung auf, um dem Gericht zu entgehen.

2. “Du sollst nicht ehebrechen!” - Jesus bezeichnet schon alleine den Wunsch mit einer Frau zu schlafen als “Ehebruch im Herzen“. Er provoziert seine Hörer mit der Aufforderung, sich das Auge auszureißen, falls es zur Sünde verführt. Außerdem lehnt er die im Gesetz vorgeschriebene Möglichkeit zur Scheidung ab und bezeichnet sie als Ehebruch, ebenso die Heirat mit einer Geschiedenen.

3. “Du sollst nicht falsch schwören und dem Herrn deine Eide erfüllen.” - Jesus fordert seine Hörer auf, gar nicht zu schwören und bezeichnet diese Praxis als Anmaßung. Wenn jemand Zusagen macht, soll sich stattdessen jeder darauf verlassen können.

4. “Auge um Auge, Zahn um Zahn.” - Jesus fordert, auf Rache zu verzichten, sondern “die andere Backe hinzuhalten” und Leuten, die um etwas bitten, nicht abzuweisen. Man soll seine Feinde lieben und für sie beten, denn Gott liebt sie auch. Schließlich sei es auch nichts besonderes, seine Freunde zu lieben.

Jesus schließt den Abschnitt mit den Worten. “Ihr soll nun vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“.

Puh, das Kapitel fing doch so gut an: “Glückselig sind die Trauernden” und jetzt kommt der Hammer! Wer kann das schon erfüllen? Aber es zeigt ganz deutlich die Vision vom Reich Gottes: Gewalt, Verachtung, Zorn, Untreue und Mauscheleien haben hier keinen Platz. Wer wünscht sich nicht so einen Ort? Aber diesen Ort kann es nicht geben, so lange Menschen unperfekt sind. Daher fordert Jesus auf, vollkommen zu sein! Er scheint sich auch - anders als z. B. Paulus - gar nicht mit der Frage zu befassen, dass dies doch eigentlich gar nicht möglich ist.

Anstatt nun auf das Leben nach dem Tod zu vertrösten - wo wir nicht mehr sündigen werden und einen Ort finden werden, an dem diese Vision eintreffen wird - fordert Jesus HEUTE so zu leben. Lassen wir mal die Frage beiseite, ob das möglich ist: wenn wir danach streben, so ist doch zumindest ein Stückchen Himmel möglich.