So lautete das Thema der letzten drei Wochen bei uns im mittwöchlichen Jugendabend, genauer gesagt ging es darum, ob eine Frau in der Gemeinde predigen bzw. leiten darf. Im wesentlichen ging es um die zwei Bibelstellen in 1. Kor. 14, 34-38 und 1. Tim. 2, 12-15, welches auch die einzigen Stellen in der Bibel sind, die sich zu diesem Thema dahingehend äußern, dass sie das Reden einer Frau in der „Gemeindeversammlung“ untersagen. Am ersten Abend wurde auf Basis dieser Verse die Position CONTRA vorgestellt. Letzte Woche wurden die Verse genauer untersucht, um festzustellen, ob sich diese Verse auch anders auslegen lassen und so die PRO-Seite stärken.

Gestern gab es schließlich eine offene Diskussion darüber, was wir nun von dem Thema halten. Ich denke, dass durch die Abende sehr deutlich wurde, dass es sich um ein sehr schwieriges Thema handelt. Aus dem Spektrum der möglichen Meinungen waren in unserer Gruppe auch alle vertreten. Übrigens wurde die „Frauenfrage“ auch schon in der Blogosphäre mit unterschiedlichen Ergebnissen diskutiert.

Ich bin bisher noch unschlüssig über die theologische Interpretation der o.g. Verse und offensichtlich sind es auch viele Theologen und Wissenschaftler. So stellt sich die Frage, was mit „Versammlung“, „predigen“, „reden“ oder „herrschen“ gemeint ist, welche Bestandteile davon kulturell bedingt sind und welche zeitlose göttliche Prinzipien und vor allem, was das konkret für unsere Gemeinde bedeutet.

Zudem halte ich 2 kurze, umstrittene Absätze für zu wenig, um daraus eine Theologie – geschweige denn ein Gesetz – zu bauen. Ich würde es daher als Randthema in der Bibel bezeichnen. Es gibt 1000 Sachen, die wichtiger sind. Beispielsweise ist der erste Absatz eingebettet in einen 40 Verse langen Text über Zungenrede und Prophetie und passt eigentlich nur in den Text, weil Paulus das Thema Ordnung anspricht und nebenbei als Beispiel das damals übliche Verfahren, das Frauen verbietet in einer Versammlung dazwischenzureden erwähnt. Ausgehend von der Textlänge müsste man also dem Thema der Prophetie und Zungenrede einen 10-fach größeren Raum einräumen als der Frauenfrage. Interessanterweise ignorieren ausgerechnet die Gemeinden mit der konservativsten Frauenregelung den Rest des Kapitels.

In der Praxis ist es natürlich immer eine schwierige Frage, wenn Älteste und Pastoren eingesetzt werden sollen, wie man mit so einem Text umgeht. Grundsätzlich sollte sicherlich jede Personalentscheidung mit Gebet (und Fasten) einhergehen. Letztlich werden auch viele andere Kriterien eine Rolle spielen und wahrscheinlich ist der Schaden durch einen unfähigen Pastor größer als der durch eine begabte Pastorin. Allerdings – das wurde auch angemerkt – sollten wir überhaupt unsere Vorstellung eines Pastors überdenken, die ja derzeit dem einer „eierlegenden Wollmilchsau“ entspricht, bevor wir über die Frauenfrage diskutieren. Schließlich denke ich nicht, dass Gott im Himmel zu allererst kritisiert, dass wir es zuließen, dass eine Frau in der Gemeinde gepredigt hat. Ich denke wir haben da ganz andere Probleme. Ich vermute viel eher, dass es ein Mensch sein wird, der dieses Thema ansprechen wird…