You are currently browsing the category archive for the 'bibel' category.
Nach einer etwas längeren Pause geht es nun weiter mit der Bergpredigt. Bereits im vorangegangenen Abschnitt spricht Jesus über die Haltung beim Spenden und prangert die Heuchler an, die groß mit ihren Gaben prahlen. Nun behandelt Jesus den Konflikt zwischen Geiz und dem Reich Gottes, dem Bedürfnis des Menschen nach materieller Sicherheit und dem Vertrauen in Gott.
Schon immer haben Menschen versucht, sich vor Zeiten materieller Not zu schützen, in dem sie etwa Schätze sammelten, die sie im Notfall verkaufen konnten. Heute ist das sogar noch viel stärker verbreitet, gerade im Westen. Viele bringen ihr Geld auf die Bank, legen es möglichst gewinnbringend an und versichern sich gegen Eventualität. Jesus meint dazu:
Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß zerstören und wo Diebe durchgraben und stehen, sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Klar, es gibt keine 100%ig sichere Anlagen. Inflation, Weltwirtschaftskrisen etc. können das angesammelte Vermögen auffressen. Man kann sich aber auch Schätze im Himmel sammeln, die man dann (nach dem Tod?) genießen kann. Ok, schön und gut, aber was ist mit meinem Leben auf der Erde? Kann ich nicht für beides vorsorgen?
Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Jesus sagt hier ganz klar: das Sicherheitsbedürfnis bestimmt das Leben so sehr, dass es nicht möglich ist, Gott wirklich zu dienen. Er lässt hier keinen Mittelweg zu. Stattdessen nennt er aber einen Ausweg:
Deswegen sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch für euren Leben, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? [...] denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt.
Also wir können auf die Versorgung durch Gott vertrauen. Er weiß, was wir brauchen und so wie er sich um das Gras, die Lilien und die Vögel kümmert (V. 26-30), wird er sich doch erst recht um uns kümmern. Allerdings unter der Bedingung:
Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Es wäre unsinnig, planlos in den Tag hineinzuleben in der Hoffnung, dass Gott mich versorgt und so letztlich nur der eigenen Faulheit nachzugeben. Jesus fordert nicht weniger als das Aufgeben der eigenen Sicherheiten und die Unterordnung unter Gottes Willen und dem Bauen seines Reiches. Im Gegenzug kümmert sich Gott um unsere Versorgung. Jemand, der nur um sich selbst besorgt ist, ist nicht in der Lage, Jesus nachzufolgen. Er ist ständig hin- und hergerissen und wird sich im Zweifelsfall für seine eigene Sicherheit entscheiden. „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ Wer etwa Geld in Aktien investiert, der wird ständig den Kurs des Unternehmens oder des Fonds beobachten, ob er sich positiv entwickelt, vielleicht sogar versuchen gemeinsam mit anderen Auktionären, die Firmenpolitik zu beinflussen und gegebenenfalls die Aktien abstoßen und anderweitig investieren. Wo dein Herz ist, dort wirst du aktiv, dort investierst du. Gibst du dein Geld, deine Zeit, deine Energie in das Reich Gottes, so wirst du dein Herz daran hängen, du wirst begeistert sein, wenn sich etwas entwickelt, wenn aus dem Senfkorn ein großer Baum wird. Du verlierst nichts – denn Gott sorgt für dich, du musst ihm nur vertrauen – bis auf deine Sicherheit. Und du sammelst einen Schatz im Himmel, der unvergänglich ist.
Im heutigen Abschnitt (Mt. 6,1-18 ) redet Jesus über Heuchelei und Effekthascherei. Um nochmal den Bezug herzustellen: Jesus sprach über Gerechtigkeit durch Erfüllung des Gesetzes und erläuterte seinen Standpunkt an vier Beispielen.
Nun warnt Jesus davor, Gutes zu tun, damit es andere Menschen sehen: „Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel„. Moment mal! Hast du nicht eben noch gesagt „so soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel verherrlichen„? Ok, lasst uns diese Verse mal einordnen: 1. Die Menschen SOLLEN unsere guten Werke sehen. 2. Die Werke sollen dazu führen, dass GOTT verherrlicht wird. 3. Gute Werke aus eigennütziger Motivation sind vor Gott keinen Lohn wert. Das schöne an der Bergpredigt ist, dass Jesus wieder gleich drei praktische Beispiele bringt:
1. Almosen geben: Wenn du Geld für eine gute Sache gibst, dann lass es vor dir her posaunen. Was mir da spontan einfällt, sind die sog. Spendengalas. Dort werden oft große Firmen hofiert, die ne Menge Geld für gute Sachen spenden, allerdings nicht ganz uneigennützig, sondern eher aus Marketinggründen, um das Firmenimage aufzupolieren. „Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut [..] dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten„. Das entspricht ja so gar nicht dem heutigen Motto „Tue Gutes und rede darüber“.
2. Beten: Jesus spricht von Heuchlern, die beim Beten an der Straßenecke stehen, damit jeder es sieht. Wobei man hier natürlich auch die kulturellen Unterschiede zu heute beachten muss, damals prägte die Religion das öffentliche Leben viel stärker als bei uns. Heute findet man die Heuchler vielleicht eher in den Gottesdiensten? Wenn Jesus hier davon spricht, dass man im Verborgenen beten soll, meint er das vermutlich nicht ausschließlich. Ich gehe mal davon aus, dass es damals auch sowas wie „Gebetsgemeinschaften“ gab, so wie heute auch in Gottesdiensten u.ä. Und es geht wohl den meisten so, dass sie in einer Gemeinschaft nicht ganz frei sind, zu beten und dabei bewusst oder unbewusst auch „zu den anderen“ beten. Hier fände ich es interessant, wie man dieses Problem lösen könnte. Aber ich denke hier geht es Jesus vor allem wieder um die eigenen Motive beim Beten – geht es primär um Gott oder um meine Anerkennung? – sowie darum, dass wir Gott nicht durch tolle, fromme Worte beeindrucken können: „denn sie meinen um ihres vielen Redens willen erhört zu werden„. Jesus bringt dann ein Beispiel für ein Gebet, das wir das „Vaterunser“ nennen. Darauf will ich jetzt nicht weiter eingehen, das würde zu weit führen.
3. Fasten: Ist ja heute etwas aus der Mode gekommen. Damals war es anscheinend üblich, beim Fasten die Mitleidstour zu fahren, damit auch jeder sieht, dass man gerade Kohldampf schiebt. Hier gilt das gleiche wir für das Beten, Gott belohnt das, was im Verborgenen geschieht. Mir ist so ein Verhalten bisher allerdings nicht aufgefallen.
Mich würde mal interessieren, welche Beispiele Jesus heute verwenden würde.
Nach dem der letzte Eintrag schon etwas zurückliegt, will ich diesmal wieder einen etwas größeren Abschnitt besprechen und mich diesmal nicht zu sehr in Details verstricken. Es geht darum, was es heißt „das Gesetz zu erfüllen“ (Matthäus 5, 17-48).
Jesus leitet diesen Abschnitt ein mit Klarstellung, dass er nicht beabsichtigt, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen. Wobei sich hier auch erstmal die Frage stellt, was mit auflösen und erfüllen genau gemeint ist. Außerdem schockt er seine Hörer mit der Feststellung, dass niemand in das Reich der Himmel hineinkommt, wenn seine Gerechtigkeit nicht die der Pharisäer und Schriftgelehrten weit übertrifft. Dafür bringt er schließlich 4 praktische Beispiele, in denen Jesus das Gesetz verschärft („Ihr habt gehört … ich aber sage euch„):
1. „Du sollst nicht töten!“ – Jesus besteht darauf, dass nicht nur Töten, sondern auch Zorn und Verachtung gegen über seinem Bruder zum Gericht führt und fordert zur Versöhnung auf, um dem Gericht zu entgehen.
2. „Du sollst nicht ehebrechen!“ – Jesus bezeichnet schon alleine den Wunsch mit einer Frau zu schlafen als „Ehebruch im Herzen„. Er provoziert seine Hörer mit der Aufforderung, sich das Auge auszureißen, falls es zur Sünde verführt. Außerdem lehnt er die im Gesetz vorgeschriebene Möglichkeit zur Scheidung ab und bezeichnet sie als Ehebruch, ebenso die Heirat mit einer Geschiedenen.
3. „Du sollst nicht falsch schwören und dem Herrn deine Eide erfüllen.“ – Jesus fordert seine Hörer auf, gar nicht zu schwören und bezeichnet diese Praxis als Anmaßung. Wenn jemand Zusagen macht, soll sich stattdessen jeder darauf verlassen können.
4. „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ – Jesus fordert, auf Rache zu verzichten, sondern „die andere Backe hinzuhalten“ und Leuten, die um etwas bitten, nicht abzuweisen. Man soll seine Feinde lieben und für sie beten, denn Gott liebt sie auch. Schließlich sei es auch nichts besonderes, seine Freunde zu lieben.
Jesus schließt den Abschnitt mit den Worten. „Ihr soll nun vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist„.
Puh, das Kapitel fing doch so gut an: „Glückselig sind die Trauernden“ und jetzt kommt der Hammer! Wer kann das schon erfüllen? Aber es zeigt ganz deutlich die Vision vom Reich Gottes: Gewalt, Verachtung, Zorn, Untreue und Mauscheleien haben hier keinen Platz. Wer wünscht sich nicht so einen Ort? Aber diesen Ort kann es nicht geben, so lange Menschen unperfekt sind. Daher fordert Jesus auf, vollkommen zu sein! Er scheint sich auch – anders als z. B. Paulus – gar nicht mit der Frage zu befassen, dass dies doch eigentlich gar nicht möglich ist.
Anstatt nun auf das Leben nach dem Tod zu vertrösten – wo wir nicht mehr sündigen werden und einen Ort finden werden, an dem diese Vision eintreffen wird – fordert Jesus HEUTE so zu leben. Lassen wir mal die Frage beiseite, ob das möglich ist: wenn wir danach streben, so ist doch zumindest ein Stückchen Himmel möglich.
Salz und Licht:
„Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“
Nun spricht Jesus seine Zuhörer direkt an: Er fordert sie auf, so zu leben, dass die Menschen ihre gute Werke sehen und sie zum Anlass nehmen, Gott zu verherrlichen. Ist heute nicht eigentlich das Gegenteil der Fall? Wenn man über den Glauben spricht, wird man doch recht schnell daran erinnert, dass die Kirche ihre Gegner im Mittelalter gnadenlos verfolgt hat. Dass die USA im Namen des Christentums Krieg führt und überhaupt die religiöse Rechte in Amerika. Und ist das bei uns in Europa heute besser? Vielleicht ein bisschen. Vielleicht haben die Christen hier zu wenig Macht um schlecht aufzufallen. Vielleicht haben wir einfach nur Glück, dass es die Außenwelt überhaupt nicht interessiert, wie sich die Konfessionen teilweise bekriegen. Wie böse Bücher und Leserbriefe gegeneinander geschrieben werden. Von den Ansprüchen Jesu sind wir jedoch weit entfernt.
Ich frage mich, ob das überhaupt möglich ist. Wie müsste denn mein Leben auffallen, damit die Menschen beim Anblick meines Lebens Gott preisen. Klar, ich bin „nett“, ich mach nichts böses, ich bring keinen um, ich klau nichts… Aber es gibt auch viele „Nichtchristen“, die ein durchaus gutes Leben führen. Ja gut, wir sind halt alle Sünder. Aber irgendwo muss doch ein Unterschied zu sehen sein. Steht nicht irgendwo in der Bibel, dass wer „in Christus ist, eine neue Schöpfung ist“? Interessanterweise sagt Jesus hier aber nicht, „ihr sollt nicht mehr sündigen“, sondern „tut gute Werke“.
Vielleicht ist es auch so: Wer Gutes tut, hat weniger Zeit zu sündigen? Also her mit den guten Werken…
Die Bergpredigt (Mt. 5-7) ist eine der bekanntesten Bibeltexte. Teile davon tauchen auch im Lukas-Evangelium (Lk. 6,20-49) auf. In der Geschichte der Theologie ist es bis heute umstritten, wie die Bergpredigt auszulegen ist, vor allem, da die konsequente, wortwörtlich verstandene Umsetzung einiger Verse für den Normalsterblichen unmöglich erscheint.
Jesus steigt auf einen Berg und als seine Jünger zu ihm kommen, fängt er an sie zu lehren. Er beginnt mit einem Abschnitt, den wir die Seligpreisungen nennen:
1. Glückselig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
2. Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
3. Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
4. Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
5. Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.
6. Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
7. Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
8. Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
9. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln, denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.
Ich möchte einfach mal 3 Gedanken dazu wiedergeben:
1. Es lohnt sich, für das Gute einzutreten, auch wenn es Nachteile oder sogar Verfolgung bedeutet (oder wie man heute so schön sagt: „Der Ehrliche ist der Dumme“). Es wird nicht ohne Belohnung bleiben.
2. Denen, den es schlecht geht, wird ein Ausgleich gegeben werden. Es wird Gerechtigkeit geben.
3. Das klingt sehr nach Vertröstung (ja, im Himmel wird alles gut). Johannes und Jesus machten aber bereits vorher deutlich, dass das Reich der Himmel „nahe herbeigekommen“ ist, und nicht erst irgendwo nach dem Tod wartet. Gottes Reich ist also genau dort, wo die o.g. Verheißungen in Erfüllung gehen. Wir sind dazu aufgerufen, an Gottes Reich mitzuarbeiten, also dafür zu sorgen, dass Trauernde getröstet werden, dass Barmherzigen Barmherzigkeit widerfährt usw. Oder um es mal plakativ zu sagen: „Du bist Gottes Reich“.
Kapitel 3 Wir überspringen etwa 30 Jahre. Johannes der Täufer beginnt seinen Dienst: Er predigt in der Wüste. Das ist schon sehr erstaunlich, normalerweise wird dort man keine große Zuhörerschaft finden. Umso erstaunlicher ist es, dass die Bewohner von Judäa und Jerusalem sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Sie sehen einen seltsamen Mann, der sich von Heuschrecken und Honig ernährt und etwas seltsam gekleidet herumläuft. Er fordert die Leute auf, „Buße“ zu tun, also umzudenken und ihr Handeln zu ändern, weil das „Reich der Himmel“ zu ihnen („nahe herbei“) gekommen ist. Viele bekennen ihre Sünden und lassen sich von ihm taufen. Die geistliche und wirtschafliche Elite, die Pharisäer und Sadduzäer, kommen auch herbei. Johannes lässt keinen Zweifel daran, was er von ihnen hält, bezeichnet sie als „Otternbrut“ und als „Baum an den die Axt angelegt ist“. Es wird hier nicht gesagt, was der Grund für diese verbalen Ausfälle ist.1
Aber er hat noch eine zweite Botschaft. Er weist auf jemanden hin, der nach ihm kommt und der größer ist als er. Gemeint ist Jesus. Er kommt aus Galiläa – hat also einen viel weiteren Weg hinter sich als all die anderen, die ihn bisher wahrscheinlich gar nicht kennen – und will sich von Johannes taufen lassen. Dieser wehrt ab – kurz zuvor verkündete Johannes noch, er sei unwürdig, die Sandalen von Jesus zu tragen. Umgekehrt solle es sein. Aber Jesus besteht darauf, um „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Was heißt das? War Jesus bisher nicht gerecht? Es gibt hier unterschiedliche Auffassungen über die Sündlosigkeit Jesu. Manche meinen, dass Jesus vor dem Antritt seines Dienstes gesündigt hatte und daher getauft werden musste (und danach nicht mehr sündigte). Andere vertreten die Ansicht, dass Jesus sein ganzes Leben lang sündlos war und die Taufe eher ein formeller Akt war, bei dem sich Gott öffentlich zu Jesus bekannt hat. Letzteres passiert tatsächlich: Als Jesus nach der Taufe aus dem Wasser steigt, öffneten sich die Himmel und der Geist Gottes kommt auf ihn wie eine Taube. Wobei hier vom Wortlaut nicht ganz klar ist, ob tatsächlich eine leibhaftige Taube für alle sichtbar sich auf ihn setzte, oder ob nur Jesus das sah. Jedenfalls ist eine Stimme hörbar die sagt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“.
Kapitel 4 Nach diesem übernatürlichen Ereignis wird Jesus zunächst „vom Geist“ – gemeint ist wahrscheinlich der Heilige Geist – in die Wüste geführt. Dort fastet Jesus 40 Tage und Nächte, er hat also richtig Knast. In dieser Situation erscheint der Teufel und beginnt Jesus zu versuchen. Er beginnt dort anzusetzen, wo die Not am größten ist, am Hunger: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann verwandele doch diese Steine in Brot“. Jesus lehnt ab, wobei ich mich frage, was daran das Problem gewesen wäre und mit dem bekannten Spruch aus dem AT antwortet, den man heute vielleicht als fromme Floskel bezeichnen würde: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes ausgeht.“. Vielleicht war die Versuchung auch, die übernatürliche Macht, die Jesus für andere Menschen gegeben war, für sich selber zu nutzen. In diese Richtung weist auch die zweite Versuchung: „Wirf dich vom Tempel, Gott hat doch versprochen, dass er Engel schickt, damit dir nichts passiert“. Er hat also von Jesus gelernt und kommt nun seinerseits mit einem Spruch aus der Bibel an. Jesus kontert wiederum mit einem anderen Vers: „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen“. In der dritten und letzten Versuchung bietet der Teufel Jesus die Macht über alle Reiche der Erde an unter der Bedingung, dass Jesus vor dem Teufel niederfällt und ihn anbetet. Denn die Erde war ja unter der Gewalt des Teufels die göttliche Mission lautet, die Erde der Gewalt des Teufels zu entziehen und die Herrschaft Gottes aufzurichten. Und nun macht der Teufel dieses verlockende Angebot, dass diese schwierige Aufgabe ganz einfach abkürzen würde. Aber auch darauf lässt sich Jesus nicht ein, denn man „soll nur Gott anbeten und ihm dienen“.
In der Zwischenzeit wird Johannes der Täufer von Herodes Antipas ins Gefängnis gesteckt. Herodes Antipas war der Sohn und Nachfolger von Herodes, den Großen. Als Jesus das hört, flieht er nach Galiläa, zieht aber nicht in seine Heimatstadt Nazareth, sondern nach Kapernaum auf der anderen Seite des Sees Genezareth. Dort beginnt Jesus seinen öffentlichen Dienst, indem er beginnt zu predigen. Kern seiner Predigt ist die Botschaft „Ändert euer Denken, den Gottes Reich ist zu euch auf die Erde gekommen!“. Matthäus kommentiert dieses Ereignis als die Erfüllung einer Prophetie Jesaja „ein Volk, das im Dunkeln saß, hat ein großes Licht gesehen“. Als Jesus einmal am See entlangspaziert, sieht er die beiden Brüder Simon (den er später Petrus nennt) und Andreas. Die beiden waren Fischer und Jesus fordert sie auf mit ihm mitzukommen und „Menschenfischer“ zu werden. Sofort ließen sie alles liegen und folgen ihm nach. Ebenso ergeht des Brüdern Jakobus und Johannes, ebenfalls Fischer. Da fragt man sich doch zunächst, warum gehen sie einfach jemandem hinterher, den sie gar nicht kennen. Wahrscheinlich kannten sie sich aber bereits, Matthäus berichtet allerdings nicht davon. Der Evangelist Johannes erzählt aber, dass die späteren Jünger Simon, Andreas, Philippus und Nathanael Jesus bereits am Tag nach der Taufe kennenlernten.
Jesus beschränkte sich nicht aufs Predigen, er nutzte seine von Gott gegebene Kraft und heilte zahlreiche Krankheiten unter den Menschen in Galiläa, so dass sie von überall, sogar aus dem Ausland kamen, um sich von Jesus heilen zu lassen. Innerhalb kurzer Zeit hat er eine große Volksmenge um sich geschart.
1Mit diesen beiden Gruppen wird jedoch auch Jesus später einmal heftige Auseinandersetzungen haben, dazu in den nächsten Folgen mehr.
Kapitel 1 beginnt mit dem Stammbaum von Jesus (V1-17), beginnend bei Abraham über David zu Josef, dem Mann von Maria, der Mutter Jesu. Es wird darauf hingewiesen, dass es sich um 3×14 Generationen handelt. Anschließend folgt eine Beschreibung der Umstände der Geburt. Maria, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Josef verheiratet ist, wird übernatürlich schwanger („durch den Heiligen Geist“ V. 18), was beide in eine ziemlich unangenehme Situation bringt. Klar, wer glaubt auch so was? Josef hätte sie wohl verlassen, wenn nicht ein Engel höchst persönlich ihn im Traum über die Ursache aufgeklärt hätte. Er erfährt, dass Maria einen Sohn gebären wird, der das Volk von seinen Sünden erretten soll. Und aus diesem Grund soll das Kind den Namen „Jesus“ bekommen, was soviel heißt wie „Gott rettet“.
Kapitel 2: Währenddessen ist eine Gruppe von Sterndeutern aus einem Land im Osten (vermutlich Babylon oder Persien) unterwegs nach Jerusalem, die sogenannten Weisen aus dem Morgenland und später in der katholischen Tradition „Heilige Drei Könige“ genannt. Obwohl es laut Matthäus weder „drei“, noch „heilige“, noch „Könige“ waren. Sie haben sich auf den weiten Weg gemacht, um den König der Juden, der geboren ist, zu sehen und ihm zu huldigen. “Denn wir haben seinen Stern gesehen“. Heute ist völlig unklar, was dieser Stern gewesen sein könnte. Manche haben ausgerechnet, dass es ein Komet gewesen sein könnte, andere spekulieren über eine Supernova und am bekanntesten ist wohl der Hinweis auf die 3-fache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild „Fische“, was in einschlägigen astrologischen Kreisen ein eindeutiger Hinweis auf einen neuen König in Judäa gewesen sein soll. Wie auch immer, was ich noch viel interessanter finde, ist die Tatsache, dass Gott hier anscheinend Ungläubige, ja wahrscheinlich Okkultisten als erstes über dieses Ereignis informiert und nicht die geistliche Eliten in Jerusalem, die Pharisäer und Schriftgelehrten. Diese können den Sterndeutern zwar den Hinweis auf Bethlehem geben, wo Jesus laut Prophezeiung geboren werden soll. Aber ansonsten scheint es sie nicht weiter zu interessieren. Sterndeuterei war unter Juden ohnehin verpönt und gesetzlich verboten.
Nur einen in Judäa scheint dieses Ereignis zu interessieren: König Herodes, den Großen. Er regiert die Provinz Judäa im Auftrag der Römer und fürchtet jeden möglichen Konkurrenten auf den Thron, so auch diesen ominösen neuen König, mag er auch erst ein Baby sein. Er will die Astrologen dazu benutzen den genauen Aufenthaltsort zu ermitteln. Als diese das Baby finden, fallen sie vor ihm nieder, beten es an und hinterlassen Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Mir stellen sich dabei folgende Fragen:
- Was dachten sich eigentlich die Astrologen? Warum interessierten sie sich – als Babylonier oder Perser – für einen neu geborenen König in einer kleinen römischen Provinz namens Judäa? Und was bewog sie dazu vor einem Baby niederzufallen, dessen Regierungszeit sie wahrscheinlich nicht mal erleben werden? Ist doch eigentlich seltsam. Hatten sie vielleicht so etwas wie eine Offenbarung darüber, dass Jesus über die Grenzen von Judäa hinaus Bedeutung haben sollte, ja vielleicht sogar, dass er Gottes Sohn ist? Der Bibeltext schweigt sich hier leider aus.
- Was geschah mit den Geschenken? Ein Kind kann ja mit Gold wenig anfangen. Wurden sie als Andenken aufbewahrt? Oder wurden sie verkauft, um dringend benötigte Nahrung/ Kleidung/ Unterkunft bezahlen zu können?
Die Astrologen jedenfalls ziehen in ihr Land zurück, ohne Herodes Bescheid zu sagen, nachdem sie im Traum davor gewarnt wurden. Auch Josef hat wieder eine Erscheinung im Traum, in der ein Engel ihn auffordert mit dem Baby nach Ägypten zu fliehen. Noch in derselben Nacht brechen sie auf – zu Recht. Denn Herodes – voller Wut über die unkooperativen Astrologen – lässt sämtliche Babys unter zwei Jahren in Bethlehem umbringen. Kurze Zeit später (im Jahre 4 v. u. Z.) stirbt Herodes.
Anders als oft dargestellt, vermute ich, dass die Weisen nicht direkt nach den Hirten, von denen der Evangelist Lukas berichtet, am Stall in Bethlehem eintrafen, sondern wahrscheinlich erst eine oder mehrere Wochen später. Denn in der Erzählung nach Lukas wird Jesus acht Tage nach der Geburt zur Taufe Beschneidung in den Tempel nach Jerusalem gebracht. Dies wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen, wenn Herodes bereits von Jesus wissen würde, außerdem scheint es, dass Maria und Josef sofort nach der Abreise der Weisen nach Ägypten geflohen sind, da wäre für einen Abstecher in Jerusalem wenig Zeit gewesen. Im Kirchenjahr ist der 6. Januar der Tag der „Heiligen Drei Könige“, wie sie in der katholischen Tradition genannt werden, also zwei Wochen nach der Geburt. Möglicherweise hatten Maria und Josef inzwischen eine gemütlichere Bleibe gefunden als den Stall. Aber das nur so am Rande.
Josef bekommt in Ägypten wieder zwei Träume, in denen er 1.) darüber informiert wird, dass er wieder nach Israel zurückkehren kann und 2.) dass er nach Galiläa gehen soll. Matthäus berichtet damit also in seiner Version der Weihnachtsgeschichte von fünf Träumen. Über die Kindheit und Jugend von Jesus erfahren wir bei Matthäus nichts weiter.
Das Matthäus-Evangelium im Neuen Testament finde ich im Moment ganz interessant und will das Buch einfach mal Kapitelweise durchgehen, wenn ich Zeit dafür finde, und meine Gedanken dazu aufschreiben. Mal sehen, ob ich das durchhalte, bzw. wie lange es dauert, bis ich einmal durch bin. Passend zum 6. Januar, der in einigen Bundesländern Feiertag („Heilige Drei Könige“ bzw. „Epiphanias“) ist, beginnt die Serie mit der Geburt Jesu und dem Besuch der „Weisen aus dem Morgenland“.
Das Matthäus-Evangelium wurde in der zweiten Hälfte des 1. Jh. geschrieben, vermutlich vom Apostel Matthäus, jedenfalls wurde es von den frühen Kirchenvätern einstimmig Matthäus zugeschrieben. Vertreter der 2-Quellen-Theorie sind da anderer Meinung. Einige vermuten, dass die Kirchenväter eine andere Schrift meinten als die heute überlieferte. Möglicherweise handelte es sich dabei um die sogenannte Logienquelle Q oder um ein früheres hebräisches Evangelium, das später ins Griechische übersetzt wurde. Das Matthäus-Evangelium ist vorwiegend an Judenchristen gerichtet, dies erklärt auch die hohe Anzahl der Zitate aus dem AT.
siehe auch: Wikipedia

Neueste Kommentare