You are currently browsing the tag archive for the 'bergpredigt' tag.
Nach einer etwas längeren Pause geht es nun weiter mit der Bergpredigt. Bereits im vorangegangenen Abschnitt spricht Jesus über die Haltung beim Spenden und prangert die Heuchler an, die groß mit ihren Gaben prahlen. Nun behandelt Jesus den Konflikt zwischen Geiz und dem Reich Gottes, dem Bedürfnis des Menschen nach materieller Sicherheit und dem Vertrauen in Gott.
Schon immer haben Menschen versucht, sich vor Zeiten materieller Not zu schützen, in dem sie etwa Schätze sammelten, die sie im Notfall verkaufen konnten. Heute ist das sogar noch viel stärker verbreitet, gerade im Westen. Viele bringen ihr Geld auf die Bank, legen es möglichst gewinnbringend an und versichern sich gegen Eventualität. Jesus meint dazu:
Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß zerstören und wo Diebe durchgraben und stehen, sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Klar, es gibt keine 100%ig sichere Anlagen. Inflation, Weltwirtschaftskrisen etc. können das angesammelte Vermögen auffressen. Man kann sich aber auch Schätze im Himmel sammeln, die man dann (nach dem Tod?) genießen kann. Ok, schön und gut, aber was ist mit meinem Leben auf der Erde? Kann ich nicht für beides vorsorgen?
Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Jesus sagt hier ganz klar: das Sicherheitsbedürfnis bestimmt das Leben so sehr, dass es nicht möglich ist, Gott wirklich zu dienen. Er lässt hier keinen Mittelweg zu. Stattdessen nennt er aber einen Ausweg:
Deswegen sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch für euren Leben, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? [...] denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt.
Also wir können auf die Versorgung durch Gott vertrauen. Er weiß, was wir brauchen und so wie er sich um das Gras, die Lilien und die Vögel kümmert (V. 26-30), wird er sich doch erst recht um uns kümmern. Allerdings unter der Bedingung:
Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Es wäre unsinnig, planlos in den Tag hineinzuleben in der Hoffnung, dass Gott mich versorgt und so letztlich nur der eigenen Faulheit nachzugeben. Jesus fordert nicht weniger als das Aufgeben der eigenen Sicherheiten und die Unterordnung unter Gottes Willen und dem Bauen seines Reiches. Im Gegenzug kümmert sich Gott um unsere Versorgung. Jemand, der nur um sich selbst besorgt ist, ist nicht in der Lage, Jesus nachzufolgen. Er ist ständig hin- und hergerissen und wird sich im Zweifelsfall für seine eigene Sicherheit entscheiden. “Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.” Wer etwa Geld in Aktien investiert, der wird ständig den Kurs des Unternehmens oder des Fonds beobachten, ob er sich positiv entwickelt, vielleicht sogar versuchen gemeinsam mit anderen Auktionären, die Firmenpolitik zu beinflussen und gegebenenfalls die Aktien abstoßen und anderweitig investieren. Wo dein Herz ist, dort wirst du aktiv, dort investierst du. Gibst du dein Geld, deine Zeit, deine Energie in das Reich Gottes, so wirst du dein Herz daran hängen, du wirst begeistert sein, wenn sich etwas entwickelt, wenn aus dem Senfkorn ein großer Baum wird. Du verlierst nichts - denn Gott sorgt für dich, du musst ihm nur vertrauen - bis auf deine Sicherheit. Und du sammelst einen Schatz im Himmel, der unvergänglich ist.
Im heutigen Abschnitt (Mt. 6,1-18 ) redet Jesus über Heuchelei und Effekthascherei. Um nochmal den Bezug herzustellen: Jesus sprach über Gerechtigkeit durch Erfüllung des Gesetzes und erläuterte seinen Standpunkt an vier Beispielen.
Nun warnt Jesus davor, Gutes zu tun, damit es andere Menschen sehen: “Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel“. Moment mal! Hast du nicht eben noch gesagt “so soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel verherrlichen“? Ok, lasst uns diese Verse mal einordnen: 1. Die Menschen SOLLEN unsere guten Werke sehen. 2. Die Werke sollen dazu führen, dass GOTT verherrlicht wird. 3. Gute Werke aus eigennütziger Motivation sind vor Gott keinen Lohn wert. Das schöne an der Bergpredigt ist, dass Jesus wieder gleich drei praktische Beispiele bringt:
1. Almosen geben: Wenn du Geld für eine gute Sache gibst, dann lass es vor dir her posaunen. Was mir da spontan einfällt, sind die sog. Spendengalas. Dort werden oft große Firmen hofiert, die ne Menge Geld für gute Sachen spenden, allerdings nicht ganz uneigennützig, sondern eher aus Marketinggründen, um das Firmenimage aufzupolieren. “Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut [..] dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten“. Das entspricht ja so gar nicht dem heutigen Motto “Tue Gutes und rede darüber”.
2. Beten: Jesus spricht von Heuchlern, die beim Beten an der Straßenecke stehen, damit jeder es sieht. Wobei man hier natürlich auch die kulturellen Unterschiede zu heute beachten muss, damals prägte die Religion das öffentliche Leben viel stärker als bei uns. Heute findet man die Heuchler vielleicht eher in den Gottesdiensten? Wenn Jesus hier davon spricht, dass man im Verborgenen beten soll, meint er das vermutlich nicht ausschließlich. Ich gehe mal davon aus, dass es damals auch sowas wie “Gebetsgemeinschaften” gab, so wie heute auch in Gottesdiensten u.ä. Und es geht wohl den meisten so, dass sie in einer Gemeinschaft nicht ganz frei sind, zu beten und dabei bewusst oder unbewusst auch “zu den anderen” beten. Hier fände ich es interessant, wie man dieses Problem lösen könnte. Aber ich denke hier geht es Jesus vor allem wieder um die eigenen Motive beim Beten - geht es primär um Gott oder um meine Anerkennung? - sowie darum, dass wir Gott nicht durch tolle, fromme Worte beeindrucken können: “denn sie meinen um ihres vielen Redens willen erhört zu werden“. Jesus bringt dann ein Beispiel für ein Gebet, das wir das “Vaterunser” nennen. Darauf will ich jetzt nicht weiter eingehen, das würde zu weit führen.
3. Fasten: Ist ja heute etwas aus der Mode gekommen. Damals war es anscheinend üblich, beim Fasten die Mitleidstour zu fahren, damit auch jeder sieht, dass man gerade Kohldampf schiebt. Hier gilt das gleiche wir für das Beten, Gott belohnt das, was im Verborgenen geschieht. Mir ist so ein Verhalten bisher allerdings nicht aufgefallen.
Mich würde mal interessieren, welche Beispiele Jesus heute verwenden würde.
Salz und Licht:
„Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“
Nun spricht Jesus seine Zuhörer direkt an: Er fordert sie auf, so zu leben, dass die Menschen ihre gute Werke sehen und sie zum Anlass nehmen, Gott zu verherrlichen. Ist heute nicht eigentlich das Gegenteil der Fall? Wenn man über den Glauben spricht, wird man doch recht schnell daran erinnert, dass die Kirche ihre Gegner im Mittelalter gnadenlos verfolgt hat. Dass die USA im Namen des Christentums Krieg führt und überhaupt die religiöse Rechte in Amerika. Und ist das bei uns in Europa heute besser? Vielleicht ein bisschen. Vielleicht haben die Christen hier zu wenig Macht um schlecht aufzufallen. Vielleicht haben wir einfach nur Glück, dass es die Außenwelt überhaupt nicht interessiert, wie sich die Konfessionen teilweise bekriegen. Wie böse Bücher und Leserbriefe gegeneinander geschrieben werden. Von den Ansprüchen Jesu sind wir jedoch weit entfernt.
Ich frage mich, ob das überhaupt möglich ist. Wie müsste denn mein Leben auffallen, damit die Menschen beim Anblick meines Lebens Gott preisen. Klar, ich bin „nett“, ich mach nichts böses, ich bring keinen um, ich klau nichts… Aber es gibt auch viele “Nichtchristen”, die ein durchaus gutes Leben führen. Ja gut, wir sind halt alle Sünder. Aber irgendwo muss doch ein Unterschied zu sehen sein. Steht nicht irgendwo in der Bibel, dass wer “in Christus ist, eine neue Schöpfung ist”? Interessanterweise sagt Jesus hier aber nicht, “ihr sollt nicht mehr sündigen”, sondern “tut gute Werke”.
Vielleicht ist es auch so: Wer Gutes tut, hat weniger Zeit zu sündigen? Also her mit den guten Werken…
Die Bergpredigt (Mt. 5-7) ist eine der bekanntesten Bibeltexte. Teile davon tauchen auch im Lukas-Evangelium (Lk. 6,20-49) auf. In der Geschichte der Theologie ist es bis heute umstritten, wie die Bergpredigt auszulegen ist, vor allem, da die konsequente, wortwörtlich verstandene Umsetzung einiger Verse für den Normalsterblichen unmöglich erscheint.
Jesus steigt auf einen Berg und als seine Jünger zu ihm kommen, fängt er an sie zu lehren. Er beginnt mit einem Abschnitt, den wir die Seligpreisungen nennen:
1. Glückselig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
2. Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
3. Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
4. Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
5. Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.
6. Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
7. Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
8. Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
9. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln, denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.
Ich möchte einfach mal 3 Gedanken dazu wiedergeben:
1. Es lohnt sich, für das Gute einzutreten, auch wenn es Nachteile oder sogar Verfolgung bedeutet (oder wie man heute so schön sagt: „Der Ehrliche ist der Dumme“). Es wird nicht ohne Belohnung bleiben.
2. Denen, den es schlecht geht, wird ein Ausgleich gegeben werden. Es wird Gerechtigkeit geben.
3. Das klingt sehr nach Vertröstung (ja, im Himmel wird alles gut). Johannes und Jesus machten aber bereits vorher deutlich, dass das Reich der Himmel „nahe herbeigekommen“ ist, und nicht erst irgendwo nach dem Tod wartet. Gottes Reich ist also genau dort, wo die o.g. Verheißungen in Erfüllung gehen. Wir sind dazu aufgerufen, an Gottes Reich mitzuarbeiten, also dafür zu sorgen, dass Trauernde getröstet werden, dass Barmherzigen Barmherzigkeit widerfährt usw. Oder um es mal plakativ zu sagen: “Du bist Gottes Reich”.

Neueste Kommentare