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Im heutigen Abschnitt (Mt. 6,1-18 ) redet Jesus über Heuchelei und Effekthascherei. Um nochmal den Bezug herzustellen: Jesus sprach über Gerechtigkeit durch Erfüllung des Gesetzes und erläuterte seinen Standpunkt an vier Beispielen.

Nun warnt Jesus davor, Gutes zu tun, damit es andere Menschen sehen: “Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel“. Moment mal! Hast du nicht eben noch gesagtso soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel verherrlichen“? Ok, lasst uns diese Verse mal einordnen: 1. Die Menschen SOLLEN unsere guten Werke sehen. 2. Die Werke sollen dazu führen, dass GOTT verherrlicht wird. 3. Gute Werke aus eigennütziger Motivation sind vor Gott keinen Lohn wert. Das schöne an der Bergpredigt ist, dass Jesus wieder gleich drei praktische Beispiele bringt:

1. Almosen geben: Wenn du Geld für eine gute Sache gibst, dann lass es vor dir her posaunen. Was mir da spontan einfällt, sind die sog. Spendengalas. Dort werden oft große Firmen hofiert, die ne Menge Geld für gute Sachen spenden, allerdings nicht ganz uneigennützig, sondern eher aus Marketinggründen, um das Firmenimage aufzupolieren. “Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut [..] dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten“. Das entspricht ja so gar nicht dem heutigen Motto “Tue Gutes und rede darüber”.

2. Beten: Jesus spricht von Heuchlern, die beim Beten an der Straßenecke stehen, damit jeder es sieht. Wobei man hier natürlich auch die kulturellen Unterschiede zu heute beachten muss, damals prägte die Religion das öffentliche Leben viel stärker als bei uns. Heute findet man die Heuchler vielleicht eher in den Gottesdiensten? Wenn Jesus hier davon spricht, dass man im Verborgenen beten soll, meint er das vermutlich nicht ausschließlich. Ich gehe mal davon aus, dass es damals auch sowas wie “Gebetsgemeinschaften” gab, so wie heute auch in Gottesdiensten u.ä. Und es geht wohl den meisten so, dass sie in einer Gemeinschaft nicht ganz frei sind, zu beten und dabei bewusst oder unbewusst auch “zu den anderen” beten. Hier fände ich es interessant, wie man dieses Problem lösen könnte. Aber ich denke hier geht es Jesus vor allem wieder um die eigenen Motive beim Beten - geht es primär um Gott oder um meine Anerkennung? - sowie darum, dass wir Gott nicht durch tolle, fromme Worte beeindrucken können: “denn sie meinen um ihres vielen Redens willen erhört zu werden“. Jesus bringt dann ein Beispiel für ein Gebet, das wir das “Vaterunser” nennen. Darauf will ich jetzt nicht weiter eingehen, das würde zu weit führen.

3. Fasten: Ist ja heute etwas aus der Mode gekommen. Damals war es anscheinend üblich, beim Fasten die Mitleidstour zu fahren, damit auch jeder sieht, dass man gerade Kohldampf schiebt. Hier gilt das gleiche wir für das Beten, Gott belohnt das, was im Verborgenen geschieht. Mir ist so ein Verhalten bisher allerdings nicht aufgefallen.

Mich würde mal interessieren, welche Beispiele Jesus heute verwenden würde.