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Kapitel 3 Wir überspringen etwa 30 Jahre. Johannes der Täufer beginnt seinen Dienst: Er predigt in der Wüste. Das ist schon sehr erstaunlich, normalerweise wird dort man keine große Zuhörerschaft finden. Umso erstaunlicher ist es, dass die Bewohner von Judäa und Jerusalem sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Sie sehen einen seltsamen Mann, der sich von Heuschrecken und Honig ernährt und etwas seltsam gekleidet herumläuft. Er fordert die Leute auf, „Buße“ zu tun, also umzudenken und ihr Handeln zu ändern, weil das „Reich der Himmel“ zu ihnen („nahe herbei“) gekommen ist. Viele bekennen ihre Sünden und lassen sich von ihm taufen. Die geistliche und wirtschafliche Elite, die Pharisäer und Sadduzäer, kommen auch herbei. Johannes lässt keinen Zweifel daran, was er von ihnen hält, bezeichnet sie als „Otternbrut“ und als „Baum an den die Axt angelegt ist“. Es wird hier nicht gesagt, was der Grund für diese verbalen Ausfälle ist.1
Aber er hat noch eine zweite Botschaft. Er weist auf jemanden hin, der nach ihm kommt und der größer ist als er. Gemeint ist Jesus. Er kommt aus Galiläa – hat also einen viel weiteren Weg hinter sich als all die anderen, die ihn bisher wahrscheinlich gar nicht kennen – und will sich von Johannes taufen lassen. Dieser wehrt ab – kurz zuvor verkündete Johannes noch, er sei unwürdig, die Sandalen von Jesus zu tragen. Umgekehrt solle es sein. Aber Jesus besteht darauf, um „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Was heißt das? War Jesus bisher nicht gerecht? Es gibt hier unterschiedliche Auffassungen über die Sündlosigkeit Jesu. Manche meinen, dass Jesus vor dem Antritt seines Dienstes gesündigt hatte und daher getauft werden musste (und danach nicht mehr sündigte). Andere vertreten die Ansicht, dass Jesus sein ganzes Leben lang sündlos war und die Taufe eher ein formeller Akt war, bei dem sich Gott öffentlich zu Jesus bekannt hat. Letzteres passiert tatsächlich: Als Jesus nach der Taufe aus dem Wasser steigt, öffneten sich die Himmel und der Geist Gottes kommt auf ihn wie eine Taube. Wobei hier vom Wortlaut nicht ganz klar ist, ob tatsächlich eine leibhaftige Taube für alle sichtbar sich auf ihn setzte, oder ob nur Jesus das sah. Jedenfalls ist eine Stimme hörbar die sagt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“.
Kapitel 4 Nach diesem übernatürlichen Ereignis wird Jesus zunächst „vom Geist“ – gemeint ist wahrscheinlich der Heilige Geist - in die Wüste geführt. Dort fastet Jesus 40 Tage und Nächte, er hat also richtig Knast. In dieser Situation erscheint der Teufel und beginnt Jesus zu versuchen. Er beginnt dort anzusetzen, wo die Not am größten ist, am Hunger: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann verwandele doch diese Steine in Brot“. Jesus lehnt ab, wobei ich mich frage, was daran das Problem gewesen wäre und mit dem bekannten Spruch aus dem AT antwortet, den man heute vielleicht als fromme Floskel bezeichnen würde: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes ausgeht.“. Vielleicht war die Versuchung auch, die übernatürliche Macht, die Jesus für andere Menschen gegeben war, für sich selber zu nutzen. In diese Richtung weist auch die zweite Versuchung: „Wirf dich vom Tempel, Gott hat doch versprochen, dass er Engel schickt, damit dir nichts passiert“. Er hat also von Jesus gelernt und kommt nun seinerseits mit einem Spruch aus der Bibel an. Jesus kontert wiederum mit einem anderen Vers: „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen“. In der dritten und letzten Versuchung bietet der Teufel Jesus die Macht über alle Reiche der Erde an unter der Bedingung, dass Jesus vor dem Teufel niederfällt und ihn anbetet. Denn die Erde war ja unter der Gewalt des Teufels die göttliche Mission lautet, die Erde der Gewalt des Teufels zu entziehen und die Herrschaft Gottes aufzurichten. Und nun macht der Teufel dieses verlockende Angebot, dass diese schwierige Aufgabe ganz einfach abkürzen würde. Aber auch darauf lässt sich Jesus nicht ein, denn man „soll nur Gott anbeten und ihm dienen“.
In der Zwischenzeit wird Johannes der Täufer von Herodes Antipas ins Gefängnis gesteckt. Herodes Antipas war der Sohn und Nachfolger von Herodes, den Großen. Als Jesus das hört, flieht er nach Galiläa, zieht aber nicht in seine Heimatstadt Nazareth, sondern nach Kapernaum auf der anderen Seite des Sees Genezareth. Dort beginnt Jesus seinen öffentlichen Dienst, indem er beginnt zu predigen. Kern seiner Predigt ist die Botschaft „Ändert euer Denken, den Gottes Reich ist zu euch auf die Erde gekommen!“. Matthäus kommentiert dieses Ereignis als die Erfüllung einer Prophetie Jesaja „ein Volk, das im Dunkeln saß, hat ein großes Licht gesehen“. Als Jesus einmal am See entlangspaziert, sieht er die beiden Brüder Simon (den er später Petrus nennt) und Andreas. Die beiden waren Fischer und Jesus fordert sie auf mit ihm mitzukommen und „Menschenfischer“ zu werden. Sofort ließen sie alles liegen und folgen ihm nach. Ebenso ergeht des Brüdern Jakobus und Johannes, ebenfalls Fischer. Da fragt man sich doch zunächst, warum gehen sie einfach jemandem hinterher, den sie gar nicht kennen. Wahrscheinlich kannten sie sich aber bereits, Matthäus berichtet allerdings nicht davon. Der Evangelist Johannes erzählt aber, dass die späteren Jünger Simon, Andreas, Philippus und Nathanael Jesus bereits am Tag nach der Taufe kennenlernten.
Jesus beschränkte sich nicht aufs Predigen, er nutzte seine von Gott gegebene Kraft und heilte zahlreiche Krankheiten unter den Menschen in Galiläa, so dass sie von überall, sogar aus dem Ausland kamen, um sich von Jesus heilen zu lassen. Innerhalb kurzer Zeit hat er eine große Volksmenge um sich geschart.
1Mit diesen beiden Gruppen wird jedoch auch Jesus später einmal heftige Auseinandersetzungen haben, dazu in den nächsten Folgen mehr.

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